Führten ein zauberhaftes Gespräch: Susanne Malik (r.) von der Magic Academy und WAZ-Redakteurin Annette Kreikenbohm. Foto: Barbara Zabka

Wittener Zauberin lässt sich gern verblüffen

WAZ. Susanne Malik ist Englisch-Lehrerin an der Rudolf-Steiner-Schule, hat also Ferien – und deshalb Zeit, auf einen Kaffee in der Redaktion vorbeizuschauen. Zwischen den Jahren geht es dabei aber nicht nur um Rück- und Ausblicke, sondern vor allem um die Zauberei. Denn die 58-Jährige leitet die Magic Academy, die ihren Platz in den Räumen einer ehemaligen Kneipe an der Sprockhöveler Straße hat. Zum Gespräch erscheint Susanne Malik nicht etwa mit einem Zauberstab. Zu erzählen hat sie trotzdem viel über eine Leidenschaft, die ihr quasi in die Wiege gelegt wurde.

Wie zauberhaft war Ihr Jahr 2018?

Susanne Malik: Es war ein gutes Jahr! In der Familie lief alles gut. Und mit der Zauberschule haben wir einen gewaltigen Aufschwung erlebt. Wir haben jetzt 48 Zauberschüler. Das ist ein Rekord. Und die kommen auch aus anderen Städten, weil es dort solch ein Angebot offenbar nicht gibt.

Woran liegt es, dass die Zauberei jetzt so hoch im Kurs steht?

Es gab schon mal einen Boom während der Harry-Potter-Welle. Jetzt liegt es vermutlich an den Ehrlich-Brothers. Das Brüder-Duo aus Ostwestfalen-Lippe, das mit seinen Tricks halb Deutschland begeistert, fasziniert vor allem Teenager. Die beiden sind selbst jung und cool, aber trotzdem sympathisch und vor allem sind sie gut. Die nehmen der Zauberei ihr verstaubtes Image. Eine Zeit lang hatten wir nämlich tatsächlich das Gefühl, wir werden belächelt.

Verändern sich denn Zaubertricks auch im Laufe der Jahre?

Vieles, was man früher in der Trickkiste hatte, macht heute kaum noch jemand. Federblumen hervorzuzaubern – damit beeindrucke ich heute kaum jemanden mehr. Inzwischen gibt es auch viele Möglichkeiten, Smartphones einzusetzen – womit ich mich persönlich schwertue. Was sich aber noch verändert: Früher ging man auf die Bühne und führte ein Kunststück nach dem anderen vor. Heute spielt man eine Rolle und verpackt das Ganze in eine Geschichte. Da sind wir bei der Magic Academy gut aufgestellt, denn wir kombinieren die Zauberei längst mit dem Theater.

Was fasziniert Sie am Zaubern?

Illusionen so glaubhaft darzubieten, dass die Zuschauer tatsächlich getäuscht werden. Viele Kunststücke sind unglaublich komplex. Damit ein Trick perfekt funktioniert, muss man auf vieles achten – etwa auf die Körperhaltung, auf den Augenkontakt zum Publikum.

Kann man Sie noch verblüffen?

Auf jeden Fall! Es gibt so unendlich viele Tricks. Ich will auch nicht immer alles wissen. Und selbst wenn ich weiß, wie etwas geht und die Präsentation gut ist, kann ich das Geheimnis dahinter ausschalten. Zum Beispiel bei der Manipulation, unserer Königsdisziplin. Wenn jemand Bälle und Karten in der Luft auftauchen und verschwinden lässt, staune ich oft. Denn das erfordert jede Menge Fingerspitzengefühl.

Ihr Vater war der Magier Bert Smart. Welchen seiner Tricks mochten Sie am liebsten?

Als ich vier oder fünf war, hat er immer diese goldenen Taler, die man essen konnte, hervorgezaubert. Die mochte ich so gerne und ich dachte: Papa kann die mir immer herzaubern, also bin ich mein ganzes Leben lang damit versorgt.

Sie haben die Zauberei trotzdem erst spät für sich entdeckt.

Zwei Schicksalsschläge haben mich dazu gebracht. Als mein Sohn im Krankenhaus lag, habe ich erst mit ihm und dann für die anderen Kinder auf der Station gezaubert. An das Leuchten in deren Augen erinnere ich mich heute noch. Als mein Vater krank wurde, wollte ich sein Können in die nächste Generation retten. Als mein Sohn auf die Rudolf-Steiner-Schule kam, habe ich dort eine Zauber-AG gegründet. Einige Requisiten meines Vaters habe ich noch. Zum Beispiel die Puppe Harry Holzkopf, die von einer Hexe gefesselt wird und sich mit einem Zauberstab befreien kann.

Wovon lassen Sie sich an Silvester verzaubern?

Von einem ruhigen Abend mit der Familie und vom Essen, um das sich mein Mann kümmert.

WAZ-Bericht von Annette Kreikenbohm